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Wintergarten-Statik: Schneelast, Windlast und was im Angebot stehen muss

Ein Glasdach muss im Winter Schnee tragen und bei Sturm fest am Haus bleiben. Wie viel genau, hängt vom Standort ab – und genau das regelt die Statik.

Dieser Ratgeber erklärt die Schneelastzonen in Deutschland, den Unterschied zwischen Typenstatik und Einzelstatik, wann ein Statiknachweis nötig ist und welche Angaben zur Statik in einem seriösen Angebot für Wintergarten oder Terrassenüberdachung stehen.

Kurz gesagt

Die Statik eines Wintergartens oder einer Terrassenüberdachung richtet sich nach der Schnee- und Windlast am Grundstück. Deutschland ist in fünf Schneelastzonen eingeteilt; die Mindestwerte der Bodenschneelast reichen von 0,65 bis 1,10 kN/m² und steigen mit der Geländehöhe. Ein Angebot sollte die Zone Ihres Standorts nennen und sagen, ob eine Typenstatik oder eine Einzelstatik zugrunde liegt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Maßgeblich ist die Norm DIN EN 1991-1-3 mit dem deutschen Nationalen Anhang (Schnee) und DIN EN 1991-1-4 (Wind).
  • Welche Zone für Ihr Grundstück gilt, steht in der Zuordnungstabelle des DIBt, sortiert nach Landkreisen und Gemeinden.
  • Am Hausanschluss kann sich Schnee sammeln, der vom höheren Dach rutscht oder sich anweht – das muss die Statik berücksichtigen.
  • Eine Typenstatik gilt nur in ihrem geprüften Rahmen. Außerhalb davon braucht es eine Einzelstatik.
  • Auch eine verfahrensfreie Überdachung muss standsicher sein.
  • Bei Herstellern aus dem EU-Ausland gilt: Gerechnet wird mit dem deutschen Nationalen Anhang und der deutschen Zone Ihres Standorts.

Was regelt die Statik bei Wintergarten und Terrassenüberdachung?

Die Statik weist nach, dass die Konstruktion alle Lasten sicher in den Boden ableitet: ihr Eigengewicht, den Schnee auf dem Dach und den Wind, der von außen drückt oder am Dach saugt. Aus diesem Nachweis ergeben sich die Profilquerschnitte, der Abstand der Sparren, die Zahl und Stärke der Pfosten, der Glasaufbau im Dach, die Befestigung an der Hauswand und die Größe der Fundamente. Zwei Überdachungen mit gleichen Maßen können deshalb unterschiedlich gebaut sein, wenn eine in Köln und die andere im Erzgebirge steht.

Für tragende Aluminium- und Stahlkonstruktionen kommt die Ausführungsnorm EN 1090 hinzu: Sie regelt, wie der Hersteller fertigt und dokumentiert, und ist die Grundlage für die CE-Kennzeichnung des Tragwerks. Die Statik rechnet die Lasten, die EN 1090 sichert ab, dass die Bauteile so gefertigt werden, wie sie gerechnet wurden. Wie die Bauteile im Einzelnen aufgebaut sind, erklärt der Ratgeber Wintergarten-Profile.

Schneelastzonen in Deutschland: welche Zone gilt für mein Grundstück?

Der Nationale Anhang zu DIN EN 1991-1-3 teilt Deutschland in die Schneelastzonen 1, 1a, 2, 2a und 3 ein. Für jede Zone gibt es einen Mindestwert der sogenannten charakteristischen Bodenschneelast, abgekürzt sk. Er gilt für Tieflagen; je höher das Grundstück liegt, desto größer wird der Wert. Ein Kilonewton pro Quadratmeter entspricht rund 100 Kilogramm Schnee auf jedem Quadratmeter.

SchneelastzoneMindestwert sk (Tieflagen)Beispiele
Zone 10,65 kN/m²Köln, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Nürnberg, Emden
Zone 1a0,81 kN/m²München, Augsburg, Regensburg, Ingolstadt
Zone 20,85 kN/m²Berlin, Hamburg, Stuttgart, Hannover, Leipzig, Dresden
Zone 2a1,06 kN/m²Hochschwarzwald, Rhön um Fulda, Kreis Olpe, Teile des Westerwalds
Zone 31,10 kN/m²Chemnitz, Erzgebirgskreis, Rostock, Winterberg, Berchtesgaden

Quelle: DIN EN 1991-1-3/NA; Zuordnung nach DIBt „Schneelastzonen nach Verwaltungsgrenzen“ (Stand 07.02.2023). Die Zonen 1a und 2a liegen 25 Prozent über den Zonen 1 und 2. In Zone 3 und in Höhenlagen kann der Wert deutlich höher liegen, im Harz setzt die Tabelle für einzelne Orte 5,5 kN/m² an.

Eine Besonderheit gilt im Norddeutschen Tiefland, zu dem unter anderem Berlin, Hamburg, Bremen und große Teile von Brandenburg und Niedersachsen gehören: Dort muss die Statik zusätzlich einen außergewöhnlichen Lastfall mit dem 2,3-fachen Wert der Schneelast nachweisen. Wie die Zonen in Ihrem Bundesland verteilt sind, steht auf den Länderseiten, etwa für Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Sachsen.

Wie viel Schnee muss eine Terrassenüberdachung tragen?

Die Bodenschneelast ist nur der Ausgangswert. Der Statiker rechnet daraus die Last auf dem Dach, und dafür zählen Form und Lage. Bei flach geneigten Dächern, wie sie bei Terrassenüberdachungen üblich sind, setzt die Norm einen Formbeiwert von 0,8 an. Ein flaches Glasdach in Zone 2 trägt also im einfachsten Fall rund 80 Prozent der Bodenschneelast.

Bei einer Überdachung oder einem Wintergarten am Haus kommt der wichtigste Sonderfall hinzu: Der Anbau liegt tiefer als das Hausdach. Rutscht Schnee vom Hausdach herunter oder weht er an der Wand an, entsteht am Wandanschluss eine Schneeanhäufung, die ein Vielfaches der normalen Dachlast erreichen kann. Ob ein Schneefanggitter auf dem Hausdach vorhanden ist und wie hoch die Traufe über dem Anbau liegt, gehört deshalb zu den Angaben, die ein Hersteller beim Aufmaß aufnehmen sollte. Wer selbst plant, findet die typischen Fehlerquellen im Ratgeber Terrassenüberdachung selber bauen.

Windlast: warum der Wind genauso zählt

Wind drückt nicht nur gegen die Seitenwände, er erzeugt am Dach auch Sog. Bei einer offenen Terrassenüberdachung kann der Wind von unten unter das Dach greifen; dann muss die Verankerung an Hauswand und Fundament verhindern, dass sich die Konstruktion abhebt. Die Lasten regelt DIN EN 1991-1-4, Deutschland ist in die Windzonen 1 bis 4 eingeteilt. Im Binnenland herrschen die Zonen 1 und 2 vor, an der Küste steigt der Wert: Bremerhaven, Teile Ostfrieslands und West-Rügen liegen in Windzone 4.

Für große Glasflächen und Schiebeanlagen ist die Windlast oft entscheidender als der Schnee, weil sie Glasstärke, Rahmen und Laufschienen bestimmt. Welche Glasarten dafür in Frage kommen, zeigt der Ratgeber Terrassenüberdachung aus Glas.

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Typenstatik oder Einzelstatik: was ist der Unterschied?

MerkmalTypenstatikEinzelstatik
Was sie istgeprüfte Berechnung für ein StandardsystemBerechnung für Ihr konkretes Bauvorhaben
Gilt fürfestgelegte Maße, Lastzonen und BauartenIhre Maße, Ihre Zone, Ihre Geländehöhe, Ihren Hausanschluss
Passt gut beiStandardgrößen in niedrigen Zonen ohne BesonderheitenSondermaßen, großen Spannweiten, hohen Zonen, Schneeanhäufung am Haus
Worauf Sie achtenFällt Ihr Projekt vollständig in den geprüften Rahmen?Werden Standort und Lastannahmen im Nachweis genannt?

Eine Typenstatik ist nicht schlechter als eine Einzelstatik, sie ist nur enger. Sie gilt für das, was geprüft wurde. Wird die Überdachung breiter, tiefer oder an einem Ort mit höherer Last gebaut, deckt sie das Projekt nicht mehr ab. Fragen Sie deshalb nicht nur, ob eine Statik vorliegt, sondern für welche Maße und welche Lastzone sie gerechnet ist.

Wann brauche ich einen Statiknachweis?

Ist für den Wintergarten oder die Überdachung ein Bauantrag nötig, gehört der Standsicherheitsnachweis zu den Bauvorlagen. Welche Größen in Ihrem Bundesland verfahrensfrei sind, steht im Ratgeber zur Baugenehmigung. Wichtig ist der Umkehrschluss: Verfahrensfrei bedeutet nicht, dass keine Statik nötig ist. Die Anforderungen an die Standsicherheit gelten für jedes Bauwerk. Es prüft sie nur niemand vorab, und im Schadensfall tragen Sie das Risiko, wenn kein Nachweis vorliegt.

Hinzu kommt der Zustand des Bestands: Eine Überdachung, die an der Hauswand hängt, leitet einen Teil ihrer Last in diese Wand. Bei gedämmten Fassaden mit Wärmedämmverbundsystem, bei Klinker-Vorsatzschalen oder alten Wänden muss die Befestigung dazu passen. Wann ein eigenes Fundament statt einer Wandbefestigung sinnvoll ist, erklärt der Ratgeber Fundament für den Wintergarten.

Glas, Profile, Fundament: was die Statik festlegt

  1. Glasaufbau im Dach: Für Glasdächer als Überkopfverglasung schreibt DIN 18008 Verbundsicherheitsglas vor, bei Isolierglas mindestens für die untere Scheibe. Die Glasstärke folgt aus Spannweite und Last.
  2. Sparrenabstand und Profilquerschnitt: Je höher die Last, desto enger die Sparren oder desto kräftiger das Profil.
  3. Pfosten und Rinnenträger: Zahl, Abstand und Querschnitt der Stützen sowie der vordere Träger, der Dach und Rinne trägt.
  4. Wandanschluss: Art und Abstand der Befestigung am Haus, passend zum Wandaufbau.
  5. Fundamente: Größe und Tiefe der Punkt- oder Streifenfundamente, frostfrei gegründet.

Bei den Partnerbetrieben in unserem Netzwerk ist die tragende Konstruktion nach EN 1090 EXC2 zertifiziert (CE-konforme Tragwerkskonstruktionen nach europäischer Norm). Ein Vorteil, den Sie bei jedem Anbieter nachfragen können: Wer selbst nach EN 1090 fertigt, kann belegen, dass Statik und Fertigung zusammenpassen.

Hersteller aus dem EU-Ausland: deutsche Schneelastzone verlangen

Die Eurocodes gelten in der ganzen EU, die Zahlenwerte legt aber jedes Land in seinem Nationalen Anhang selbst fest. Ein Hersteller aus Polen, Tschechien oder den Niederlanden rechnet im eigenen Land mit anderen Zonen und Werten. Für ein Bauvorhaben in Deutschland zählt allein der deutsche Nationale Anhang mit der Zone und der Geländehöhe Ihres Grundstücks. Lassen Sie sich das im Angebot oder in der statischen Unterlage ausdrücklich bestätigen.

Zwei weitere Punkte sind bei einem Anbieter aus dem Ausland sinnvoll: Die statischen Unterlagen sollten auf Deutsch vorliegen oder zumindest so, dass Ihr Bauamt sie lesen kann, und es sollte klar sein, wer sie erstellt hat. Beim ausführenden Partnerbetrieb unseres Netzwerks gilt: Wir liefern Zeichnung und statische Unterlagen; den Bauantrag stellen Sie bei Ihrer Gemeinde. Das Aufmaß vor Ort macht einen Techniker des ausführenden Partnerbetriebs vor Ort – dabei werden auch Standort, Hausanschluss und Dachüberstand aufgenommen. Wie Gewährleistung und Vertrag mit einem Hersteller im EU-Ausland funktionieren, steht im Ratgeber Gewährleistung, die Fachbegriffe auf Polnisch im Glossar Deutsch–Polnisch.

Was zur Statik im Angebot stehen muss

Prüfen Sie ein Angebot für Wintergarten oder Terrassenüberdachung an diesen acht Punkten:

  1. Die Schneelastzone und die Windzone Ihres Standorts sind genannt.
  2. Die Geländehöhe oder der angesetzte Wert der Bodenschneelast ist angegeben.
  3. Es steht fest, ob eine Typenstatik oder eine Einzelstatik zugrunde liegt, und bei einer Typenstatik, dass Ihr Projekt in ihren Rahmen fällt.
  4. Mögliche Schneeanhäufung am Hausanschluss ist berücksichtigt.
  5. Glasaufbau im Dach und in den Seiten ist mit Glasart und Stärke benannt.
  6. Fundamente und Wandbefestigung sind beschrieben.
  7. Die tragende Konstruktion ist nach EN 1090 CE-gekennzeichnet.
  8. Sie erhalten die statischen Unterlagen schriftlich, für den Bauantrag und für Ihre Akten.

Wie Sie ein Angebot darüber hinaus Punkt für Punkt prüfen, zeigt der Ratgeber Wintergarten-Angebot prüfen.

Häufige Fragen zu Statik und Schneelast

Welche Schneelast muss eine Terrassenüberdachung aushalten?

Das hängt vom Standort ab. Die Norm DIN EN 1991-1-3 mit deutschem Nationalen Anhang teilt Deutschland in Schneelastzonen ein. Die Mindestwerte der Bodenschneelast in Tieflagen reichen von 0,65 kN/m² in Zone 1 bis 1,10 kN/m² in Zone 3; mit der Geländehöhe steigen sie weiter. Ein Kilonewton pro Quadratmeter entspricht rund 100 Kilogramm. Aus dieser Bodenschneelast berechnet der Statiker die Last auf dem Dach, einschließlich möglicher Schneeanhäufungen an der Hauswand.

Wie finde ich die Schneelastzone für meinen Wohnort?

Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) veröffentlicht eine Tabelle, die jeden Landkreis und viele Gemeinden einer Schneelastzone und einer Windzone zuordnet. Für die Statik zählt außerdem die Geländehöhe des Grundstücks über dem Meeresspiegel. Nennen Sie dem Hersteller deshalb die genaue Adresse, nicht nur die Stadt – in manchen Landkreisen wechselt die Zone von Gemeinde zu Gemeinde.

Braucht eine Terrassenüberdachung eine Statik?

Ja, jede Terrassenüberdachung muss standsicher sein und die Schnee- und Windlast ihres Standorts tragen. Ist ein Bauantrag nötig, gehört der Standsicherheitsnachweis zu den Bauvorlagen. Auch wenn die Überdachung verfahrensfrei ist, gelten die baurechtlichen Anforderungen an die Standsicherheit weiter – verfahrensfrei heißt nur, dass niemand die Unterlagen vorab prüft.

Was ist der Unterschied zwischen Typenstatik und Einzelstatik?

Eine Typenstatik ist eine geprüfte statische Berechnung für ein Standardsystem, die für festgelegte Maße und Lastannahmen gilt. Sie passt, wenn Ihr Projekt genau in diesen Rahmen fällt. Eine Einzelstatik wird für Ihr konkretes Bauvorhaben gerechnet – mit Ihren Maßen, Ihrer Schnee- und Windlastzone, der Geländehöhe und den Besonderheiten am Haus. Bei Sondermaßen, großen Spannweiten oder einem Standort in einer hohen Zone ist sie die sichere Wahl.

Wer erstellt die Statik für einen Wintergarten?

In der Regel der Hersteller, der dafür einen Tragwerksplaner beauftragt oder eine geprüfte Typenstatik für sein System besitzt. Wichtig ist, dass die Statik zu Ihrem Standort passt und Ihnen schriftlich vorliegt. Bei den Partnerbetrieben in unserem Netzwerk gehören Zeichnung und statische Unterlagen zum Angebot; den Bauantrag stellen Sie, falls nötig, selbst bei Ihrer Gemeinde.

Muss ich Schnee vom Glasdach räumen?

Eine Überdachung, die nach der Schneelastzone ihres Standorts bemessen ist, trägt die dort angesetzte Last. Räumen ist deshalb normalerweise nicht nötig. Anders bei außergewöhnlichen Schneemengen oder wenn vom höheren Hausdach Schnee auf das Glasdach rutscht: Dann sollten Sie vorsichtig und nur mit weichem Werkzeug entlasten, ohne auf das Dach zu steigen, und die Pflegehinweise des Herstellers beachten.

Statik, Glas und Fundament hängen zusammen: Welche Verglasung zu welcher Last passt, erklärt der Ratgeber Wintergarten-Glas, was eine fertig montierte Überdachung kostet, die Seite Terrassenüberdachung aus Polen. Den Richtpreis für Ihr Projekt zeigt der Konfigurator oben.

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